Mittwoch, 1. März 2017

[ #bodensee ] Die Wasserpflanzen des Vorarlberger Bodenseeufers

Wasserpflanzen (Makrophyten) bilden regelrechte Unterwassergärten, die Laich- und Aufwuchsgebiet für zahlreiche Fischarten und Nahrungsplatz für viele Wasservögel sind.

Bei Makrophyten handelt es sich um makroskopische, also mit bloßem Auge sichtbare Wasserpflanzen, die unter (= submers) und an der Wasseroberfläche (=emers) leben und bis mehrere Meter lang werden können. Band 60 der Schriftenreihe "Lebensraum Vorarlberg" (Sept 2010) berichtet von der Makrophytenkartierung am Vorarlberger Bodenseeufer.

Flachwasserzone. Von allen Teilen eines Sees ist die Flachwasserzone (Litoral), ein bis zu zehn Meter tiefer Wasserstreifen zwischen Ufer und Freiwasserregion, zweifellos der sensibelste Lebensraum. Nur etwa 14 Prozent der gesamten Bodenseefläche werden zur Flachwasserzone gezählt.

Indikator und Lebensraum. Makropyhten und Aufwuchsalgen tragen als pflanzliche Organsimen zur Primärproduktion und damit zur Nahrungsversorgung der heterotrophen tierischen und mikrobiellen Lebensgemeinschaften des Seebodens bei. Da ihr Wachstum wie bei allen Pflanzen lichtabhängig ist, ist ihre Verbreitung auf die durchlichteten flachen Bereiche des Seebodens beschränkt. So strotzen diese rund 80 Quadratkilometer nur so von Leben: Sie sind Kinderstube der Fische und Amphibien, bevorzugter Aufenthaltsort für die meisten Wasservogelarten, Lebensraum für Wasserpflanzen, das Plankton, sowie den am und im Seeboden lebenden Insektenlarven, Schnecken, Muscheln und Würmer.

Faktoren. Sie alle sind auf diesen Wasserstreifen angewiesen. Doch gerade diese ökologisch so bedeutsame Zone ist hochgradig gefährdet. Freizeitanlagen wie Häfen, Bojenfelder für Sportboote, Mauern aller Art sowie zahlreiche Badestrände sind eine direkte Bedrohung. Zu den indirekten Folgen menschlicher Einflüsse gehören Verschlammung, erhöhte Erosion sowie verstärktes Wachstum von Algen.

Makrophyten. Bei Makrophyten handelt es sich um makroskopische, also mit bloßem Auge sichtbare Wasserpflanzen, die unter und an der Wasseroberfläche leben (submers = unterhalb des Wasserspiegels wachsend; emers = oberhalb des Wasserspiegels wachsend) und bis mehrere Meter lang werden können. Dazu gehören Armleuchteralgen (Charphyta), Moose und Farne sowie Samenpflanzen wie Laichkräuter, Seerosen und Teichrosen.

Makrophyten können, vergleichbar mit Planktonalgen als Zeigerorganismen (so genannte Indikatoren) für die Nährstoffbelastung herangezogen werden. Auf Grund ihres Wachstums in Ufernähe sind sie vor allem als Anzeiger punktueller Belastung geeignet, z.B. von Abwassereinleitungen oder hohem Bestand an Wasservögeln.

Mit der in den Jahren 2006 bis 2008 im gesamten Bodensee durchgeführten Kartierung konnte gezeigt werden, dass sich der ökologische Zustand des Sees hinsichtlich der Makrophytenvorkommen seit 1993 deutlich verbessert hat. Die zwischenzeitlich erfolgten Vegetationsumschichtungen reflektieren die Veränderung der trophischen Bedingungen im Flachwasserbereich des Sees. So ist eine Verschiebung von früher vorherrschenden Belastungszeigern hin zu einer Dominanz von an nährstoffärmere Verhältnisse angepassten Arten deutlich erkennbar. Auch einige nährstoffempfindliche Arten konnten sich seit 1993 im Gesamtsee wieder stark ausbreiten.

Arten. Im österreichischen Teil des Bodensees konnten insgesamt 32 Makrophytenarten nachgewiesen werden. Die untergetauchte Vegetation ist mit 21 Spezies beteiligt. 15 Arten davon entfallen auf höhere submerse Pflanzen (Spermatophyta), 5 Arten gehören zu den Charophyta (Armleuchteralgen) und eine zu den Bryophyta (Moose). Dem Röhricht gehören 10 Arten an, die Schwimmblattvegetation ist nur mit einer Spezies vertreten.

Rote Liste. Der österreichische Teil des Bodensees ist Standort zahlreicher Rote-Liste-Arten. Neben den als „generell gefährdet“ eingestuften Characeen zählen hierzu noch 12 weitere Arten: Myriophyllum spicatum (Ähren-Tausendblatt), Zannichellia palustris (Teichfaden) Schoenoplectus lacustris (Grüne Teichbinse) und Typha angustifolia (Schmalblatt-Rohrkolben) sind lediglich „regional gefährdet“, Potamogeton perfoliatus (Durchwachsenes Laichkraut), P. pusillus (Zwerg-Laichkraut) und P. trichoides (Haar-Laichkraut) gelten als „gefährdet“, als „stark gefährdet“ werden Eleocharis acicularis (Nadel-Sumpfbinse), Najas minor (Kleines Nixenkraut), Potamogeton gramineus (Gras-Laichkraut) und P. nodosus (Flutendes Laichkraut) geführt. Littorella uniflora ist in Österreich „vom Aussterben bedroht“.

Sternarmleuchteralge. Die häufigste Wasserpflanze im österreichischen Teil des Bodensees ist Nitellopsis obtusa (Sternarmleuchteralge). Die Art trägt 19 % zur Gesamtpflanzenmenge bei. Ihr folgt mit einem Wert von 16 % Chara contraria (Gegensätzliche Armleuchteralge), womit die ersten beiden Plätze in der Mengenrangskala Vertreter der Characeen einnehmen. Auf den Plätzen drei bis sechs der Mengenrangskala folgen mit Potamogeton perfoliatus (Durchwachsenes Laichkraut, RPM: 15 %), Potamogeton pectinatus (Kamm-Laichkraut, RPM: 12 %), Najas intermedia (Mittleres Nixenkraut, RPM: 11 %) und Potamogeton pusillus (Zwerg-Laichkraut, RPM: 10 %) Höhere Pflanzen. Platz sieben in der Mengenrangskala nimmt mit einem RPM-Wert von knapp 6 % Chara aspera (Rauhe Armleuchteralge) ein. Alle übrigen Arten fallen unter die 5 %-Marke.
20 von insgesamt 32 Arten erreichen nicht die Schwelle von 1 % Anteil an der Gesamtpflanzenmenge und sind in der Rubrik „residual“ zusammengefasst. Zu dieser Gruppe der seltenen Arten des Bodensees gehören außer Phragmites australis (Schilf) alle Röhrichtpflanzen, die einzige vorkommende Schwimmblattart Potamogeton nodosus (Flutendes Laichkraut), 8 der insgesamt 15 Vertreter der submersen Höheren Pflanzen, das Gemeine Brunnenmoos (Fontinalis antipyretica) sowie die Armleuchteralgenart Chara vulgaris (Gewöhnliche Armleuchteralge).

Charakteristische Vegetation. Für den Bodensee wären folgende charakteristische Vegetationseinheiten zu erwarten: In den Flachuferbereichen ein mehr oder weniger geschlossener Röhrichtgürtel mit vorgelagerten Strandlingsfluren, in windgeschützten Buchten Schwimmblattbestände und als submerse Vegetation, neben zerstreuten Vorkommen Höherer Pflanzen (niederwüchsige Arten und Arten des Laichkrautgürtels), ausgedehnte Characeenwiesen.

Im österreichischen Teil des Bodensees dominieren jedoch mengenmäßig die submersen Höheren Pflanzen. Sie sind mit 56 % an der Gesamtpflanzenmenge beteiligt. Characeen tragen aber immerhin 42 % zur aquatischen Vegetation bei. Der Mengenanteil der Röhrichtarten beträgt lediglich 2 %, Schwimmblattpflanzen und Arten der Strandlingsfluren spielen mit RPM-Werten von weniger als 1 % nur eine untergeordnete Rolle.

Defizite sind im Röhrichtbestand offensichtlich, die vor allem aus dem streckenweise hohen Verbauungsgrad der Seeufer resultieren. Auch die Schwimmblattvegetation ist im österreichischen Teil des Bodensees nur gering vertreten. Dies ist bei der Gewässergröße und vor allem auch bei der Morphologie und der Exposition des österreichischen Uferabschnitts nicht anders zu erwarten. Schwimmblattpflanzen finden unter solchen Bedingungen naturgemäß nur in geschützten Buchten geeigneten Lebensraum.

Gut - mäßig. 49 % der Uferlinie im österreichischen Teil des Bodensees befinden sich im „guten Zustand“, 51 % im mäßigen Zustand“. „Gute“ Uferabschnitte befinden sich zwischen Rheinspitz und Rohrspitz, in der Fussacher Bucht sowie südlich der Leiblachmündung. Mit „mäßig“ bewertet wurden das Transekt im Mündungsbereich des Alten Rheins sowie die Transekte von der Mündung des Alpenrheins bis in die Bregenzer Bucht.

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Einleitung 3
2. Der Bodensee 4
3. Methoden 7
3.1. Feldarbeit 7
3.2. Auswertung 8
3.2.1 Aufbereitung der Datensätze für das österreichische System 8
3.2.2 Mengenmäßige Bilanzierungen 10
3.2.3 Berechnung der Vegetationsdichte 10
3.3. Bewertung 10
3.3.1 Festlegung von Referenzwerten für den Bodensee 11
3.3.2 Berechnung der Ökologischen Zustandsklasse 13
4. Ergebnisse Makrophytenkartierung 15
4.1. Artenspektrum 15
4.2. Mengenmäßige Zusammensetzung der Vegetation (RPM) 16
4.2.1 Mengenanteile der verschiedenen Vegetationseinheiten 16
4.2.2 Dominanzverhältnisse innerhalb der Makrophytenvegetation 17
4.2.3 Dominanzverhältnisse innerhalb der Vegetationseinheiten 18
4.3. Verbreitung der einzelnen Arten im Bodenseeim Vergleich mit zurückliegenden Untersuchungen 20
4.3.1 Untergetauchte Vegetation 20
4.3.2 Schwimmblattvegetation 43
4.3.3 Röhrichtvegetation 434.4. Vegetationsausstattung der einzelnen Transekte 44
4.4.1 Artenanzahl in den einzelnen Transekten (submerse Vegetation) 44
4.4.2 Vegetationsdichte (CMI) in den einzelnen Transekten 45
4.4.3 Vegetationsgrenze in den einzelnen Transekten 46
5. Zum Leitbild der Makrophytenvegetation im Bodensee 47
6. Bewertung 48
6.1. Grundlagen 49
6.2. Bewertungsergebnis AIM – Modul 1 50
6.3. Bewertungsergebnisse Einzelmetrics 52
7. Zusammenfassung 55
8. Literatur 61
Anhang 65

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