Donnerstag, 23. Februar 2017

[ #amphibien ] Der Chytridpilz: Das Massensterben von Amphibien

Afrikanischer Krallenfrosch - Wikiepedia
Ein mikroskopisch kleiner Chytridpilz führt weltweit zum Massensterben von Fröschen und gar zum Aussterben von Arten

Massensterben von Amphibien wurden in Australien und Mittelamerika in den 1980er und 1990er Jahren beobachtet, aber erst 1998 konnte der Krankheitserreger, der Chytridpilz mit dem wissenschaftlichen Namen Batrachochytrium dendrobatidis, identifiziert und beschrieben werden. Infektionen mit Chytridpilzen sind keinesfalls nur ein Phänomen der letzten Jahre, sondern sind schon länger bekannt. Die älteste bekannte Infektion wurde in den 1920er-Jahren in Afrika nachgewiesen. Der Chytridpilz hat sich seither immer weiter ausgebreitet. Wenn immer er in einem Gebiet neu aufgetaucht ist, so sind dort Frösche in grosser Zahl an der Krankheit gestorben.

Europa. In Europa wurden der Chytridpilz und das Massensterben von Fröschen zuerst im spanischen Gebirge festgestellt. Wo der Pilz in Europa gesucht wurde, da wurde er auch gefunden. In der Schweiz wurde der Pilz in etwa der Hälfte aller Weiher, die beprobt wurden, nachgewiesen. Fast alle einheimischen Amphibienarten waren, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, vom Chytridpilz befallen. Und auch einzelne an der Chytridiomykose verendete Amphibien wurden in der Schweiz entdeckt, aber allerdings lange nicht im Ausmass der Massensterben in andern Gegenden.

Der Chytridpilz wurde inzwischen auch in allen österreichischen Bundesländern nachgewiesen und seine voranschreitende Ausbreitung bedeutet eine zusätzliche Bedrohung für die bereits stark gefährdetetn Amphibienpopulationen in ganz Österreich.

Auch in Deutschland lässt sich der Chytridpilz bei einheimischen Arten nachweisen. So wurde der Pilz bei in Deutschland heimischen Amphibienarten wie der Geburtshelferkröte, dem Feuersalamander und der Erdkröte gefunden. Geburtshelferkröten im Gebirge leben offenbar gefährlich. Ihr Risiko, an der Amphibienseuche zu erkranken und zu sterben, ist wesentlich höher als bei ihren Artgenossen im Flachland.

Apothekerfrosch. Der Chytridpilz stammt ursprünglich aus Afrika und siedelt auf der Haut von afrikanischen Krallenfröschen, die gegen die Wirkung dieser Pilze jedoch immun sind. Vom Menschen wurden die für Schwangerschaftstests (Froschtest) verwendeten Krallenfrösche, die daher auch als Apothekerfrosch bezeichnet werden, weltweit verbreitet und möglicherweise mit ihnen der Pilz eingeschleppt. Der Frosch- oder Krötentest war bis in die 1960er-Jahre die Methode der Wahl zur frühen Feststellung einer Schwangerschaft. Da Amphibien in anderen Gebieten keine Immunität gegen den Pilz besitzen, könnte so eine globale Chytridiomykose-Epidemie ausgelöst worden sein. Der Handel mit Amphibien ist auf jeden Fall eine wesentliche Quelle derVerbreitung. In Deutschland ist nach Angaben des Naturschutzbundes die Chytridiomykose bei Terrarientieren inzwischen die häufigste Todesursache.

Naturschutz. Paradoxer Weise können gerade Naturschützer, Naturfotografen und andere Amphibieninteressierte an der Verbreitung des Chytridpilzes beteiligt sein. Da die Sporen von Chytridpilzen im Wasser bis zu 24 Stunden (andere Quellen sprechen sogar von bis zu 7 Wochen im Wasser und bis zu 12 Wochen in feuchtem Sand!) überlebensfähig sind, kann der Pilz leicht - anhaftend an feuchter Kleidung, wie z. B. Gummistiefeln - von einem Feuchtbiotop zum nächsten weitergetragen werden. Gedacht werden muss z. B. auch an die Problematik der "künstlichen" Zusammenführung von Amphibien auf engstem Raum an Amphibienschutzzäunen. Verhindert man einerseits als Amphibienfreund zwar den schnellen Straßentod der Tiere, riskiert aber andererseits deren Ansteckung.

Forschung. Forschende der Universität Zürich stellen gemeinsam mit Kollegen aus Europa und den USA im Fachjournal "Frontiers in Zoology" Methoden vor, wie der Chytridpilz bekämpft werden kann. Möglich ist die Bekämpfung mit Bakterien und Fungiziden; aber auch über eine Impfung der Frösche wird nachgedacht.

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