Samstag, 11. Februar 2017

[ #bodensee ] Uferrenaturierungen am Bodensee

Eine Studie zur naturschutzfachlichen Bedeutung und Möglichkeiten ihrer Optimierung steht online zur Verfügung.



Am Bodenseeufer konnten insgesamt 90 Renaturierungsmaßnahmen, die aus den Jahren 1975 bis 2007 stammen, identifiziert werden. Sie haben insgesamt eine Länge von 34,5 km, entsprechen 10,5 Prozent des gesamten Bodenseeufers, und bedecken eine Fläche von rd. 1,04 km². Knapp 90 Prozent aller Maßnahmen wurden nach dem von B. Siessegger entwickelten Modell („wasserbauliche Grundvariante“) ausgeführt.

Dieses Modell sah im Wesentlichen eine flach geneigte Vorschüttung von Kiesen oder Geröllen vor bestehenden Kliffkanten oder Uferbefestigungen vor, die seewärts durch einen Böschungsfuß aus groben Geröllen stabilisiert wurde.

Nur bei 33 der 90 Maßnahmen spielten ausschließlich natur- und gewässerschutzfachliche Motive eine Rolle, bei allen anderen Maßnahmen traten weitere Nutzeffekte (z.B. Badestrandauffüllungen) hinzu. In 25 Fällen gehörten Verbesserungen und Ausweitungen von (Freizeit-)Nutzungen zu den explizit genannten Zielen.

Die bisherigen Uferrenaturierungsmaßnahmen am Bodensee werden kritisch gesehen, da ihre Wirksamkeit im Sinne der ursprünglichen ökologischen Zielsetzung bisher nicht gezeigt werden konnte, und weil sie häufig zu einer erheblichen Ausweitung von menschlichen Freizeitnutzungen führen, anstatt die neu gestalteten Flächen für naturnahe Habitate und eigendynamische Entwicklungen bereit zu stellen. Gerade die semiaquatische Zone ist aus naturschutzfachlicher Sicht von großem Interesse für die Ansiedlung von Gefäßpflanzen und für das Vorkommen von Laufkäfern und anderen Bodenarthropoden. Aus diesem Grund hält die Studie es für nicht statthaft, Uferrenaturierungen allein unter limnologischen bzw. gewässerschutzfachlichen Gesichtspunkten zu betrachten.

Die Biotoptypen und die Gefäßpflanzenflora sowie die Laufkäferfauna zeigen für bestimmte Renaturierungstypen (z. B. „Schilf“ und „Kies, ungenutzt“), dass Renaturierungen eine ähnliche naturschutzfachliche Wertigkeit erreichen können wie z. B. natürliche Kiesufer.

Die naturschutzfachliche Bedeutung könnte bei zukünftigen Vorhaben
  • durch eine nicht zu steile Reliefgestaltung,
  • durch die Einbringung geeigneter Feinsubstrate,
  • durch deutliche Reduzierung der Nutzungsintensität, 
  • durch die Zulassung einer eigendynamischen Entwicklung (Substrat, Relief), sowie
  • durch die Anbindung der renaturierten Fläche an naturnahe Biotope im Hinterland 
erheblich gesteigert werden. Zudem sollten die älteren Renaturierungen nicht vergessen werden, obschon hier die Möglichkeiten einer Neugestaltung begrenzt sind. Hier sollten nachträglich Managementpläne entwickelt und umgesetzt werden, die die noch verbliebenen Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, vor allem aber die Möglichkeiten der Nutzerlenkung möglichst weitgehend ausschöpfen.

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1 Einleitung 1
2 Untersuchungsgebiet 3
3 Uferverbau und Uferrenaturierung am Bodensee 4
4 Ziele, Untersuchungsplan, Methoden 13
4.1 Ziele 13
4.2 Untersuchungsplan 13
4.3 Methoden 17
5 Ergebnisse 27
5.1 Aktenauswertung 27
5.2 Gelände-Screening (Spätwinter 2007) 53
5.3 Biotoptypen und Vegetation 60
5.4 Laufkäfer-Fauna 74
5.5 Nutzungsscreening (Sommer 2007) 90
5.6 Nutzungsanalyse 103
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 117
7 Empfehlungen 129
7.1 Übersicht 129
7.2 Wissenschaftliche Grundlagen 130
7.3 Renaturierungskonzepte 131
7.4 Planung und Umsetzung von Renaturierungen 134
7.5 Ökologische Begleituntersuchungen 139
7.6 Öffentlichkeitsarbeit 141
8 Literatur 143
9 Glossar 148
Danksagungen

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