Mittwoch, 18. Januar 2017

[ #artenschutz ] Gefährdete Arten: Gartenrotschwanz


Der Phoenicurus phoenicurus (Gartenrotschwanz) wird häufig mit dem Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) verwechselt.

Den Gartenrotschwanz können die Vorarlberger Ornithologen nur noch sehr selten ausmachen. Wohl wird er noch als heimischer Vogel in den Artenlisten des Bodensees und Vorarlbergs geführt. In den Biotopinventraen von Brand (Maisäßbiotopkomplex beim Ortskern) und Dornbirn (Bäuerliche Kulturlandschaft im Bereich der Bergbön) werden Vorkommen noch zitiert.

Weitaus bekannter und häufiger als der Gartenrotschwanz ist sein naher Verwandter, der schlichter gefärbte Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros). Dieser ist ein Nischenbrüter und stammt ursprünglich aus felsigen Bergregionen. Als Kulturfolger hat er sich unsere Städte als "Ersatzfelsen" erobert. Garten- und Hausrotschwanz werden daher leicht miteinander verwechselt.

Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus). Der etwa 14 cm lange Singvogel wiegt zwischen 12 und 20 Gramm. Er gehört zur Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) und ist von seinem Habitus her etwas kleiner als ein Sperling. Auffallend sind die relativ langen Beine, die aufrechte Haltung beim Sitzen, die rot gefärbte Bauchseite und der rote Schwanz. Das Gesicht und die Kehle des Männchens sind bis zur gedachten Linie Auge-Schnabel schwarz gefärbt. Der übrige Kopf ist blaugrau, die Stirn auffallend weiß. Die Färbung der Männchen ist im Sommer lebhafter. Die Weibchen sind graubraun, ihre Unterseite ist heller. Die schwarze Kopf- und Kehlfärbung fehlt, die Kehle ist grauweiß.

Gartenrotschwänze rufen „füd tek tek“ und tragen ihren Gesang auf einer Warte sitzend vor. Sie brüten in Laub- und Mischwäldern, Streuobstwiesen, Parks und Gärten. Dabei legen sie ihre Nester aus alten Pflanzen und Pflanzenteile in vorhandenen Baumhöhlen, Nischen, Felsen und Halbhöhlen-Nistkästen an. Das Innere darf aber nicht komplett im Dunkeln liegen, sondern sollte wenigstens durch schwachen Lichteinfall erhellt sein, etwa durch einen breiten Eingang oder eine zweite Öffnung.

Gartenrotschwänze haben brüten zweima, bei uns (Mitteleuropa) findet meist jedoch nur eine Jahresbrut statt. Legebeginn ist Anfang Mai, es werden 5-7 grünliche Eier vom Weibchen bebrütet. Die Brutzeit dauert rund zwei Wochen und die "Kinder" bleiben danach weitere zwei Wochen im Nest. Nach dem ersten Ausfliegen werden sie nochmals bis zu zwei Wochen von den Eltern gefüttert.

Gefährdung. In der Schweiz und in Österreich erscheint der Gartenrotschwanz in den Roten Listen [Österreich Rote Liste: Gefährdet (Kat. A.3); ursprünglich weit verbreitete, im Bestand großräumig in besorgniserregendem Ausmaß zurückgehende und regional verschwindende Art (Kat. A.3.3)]. Der Bestand wird in Österreich auf 6.000 bis 12.000 Brutpaare geschätzt. Aufgrund der Gefährdung hat der Schweizer Vogelschutz den Gartenrotschwanz bereits 2009 zum Vogel des Jahres ernannt. Der Naturschutzbund Deutschland und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern haben ihn nun zum Vogel des Jahres 2011 gekürt.

Gartenrotschwänze brüten über ganz Europa mit Ausnahme Irlands und Griechenlands, Kleinasien, bis ostwärts in den Iran, West- und Mittelsibirien. Als Insektenfresser lebt der Gartenrotschwanz nur im Sommerhalbjahr bei uns. Den Winter verbringt er in den afrikanischen Savannen südlich der Sahara. Auch dort und entlang seiner Zugwege ist er etlichen Gefahren ausgesetzt. Großflächige Monokulturen verdrängen mehr und mehr die natürliche Baumsavanne. Dürreperioden im Mittelmeerraum und in der Sahelzone nehmen zu, die von den Vögeln zu überwindenden Wüsten dehnen sich von Jahr zu Jahr weiter aus.

Schutzmaßnahmen. Laut Umweltbundesamt gilt der Gartenrotschwanz als Priorität. d.h. ihre Situation ist nicht bedroht, aber Maßnahmen zur Erhaltung ihres Lebensraumes sollten zumindest geplant werden. Allerdings ist nach Expertenmeinung erhöhter Schutzbedarf zur Erhaltung dieser Art gegeben, vor allem die Umsetzung von Artenschutzprogrammen, der Abbau von Forschungsdefiziten sowie unter Schutzstellung ihrer Lebensräume.

Maßnahmen, mit wenig Aufwand. Für Streuobstwiesen gilt er als Leittierart. Neben Streuobstwiesen sind strukturreiche Kleingartenanlagen mit altem Baumbestand zunehmend von Bedeutung. Hier findet der Gartenrotschwanz oftmals letzte Rückzugsräume. Zum Schutz fordert BirdLife auch ein Umdenken bei der Gestaltung von Gärten und Parks, denn der Gartenrotschwanz braucht abwechslungsreiche Landschaften. Auf sterile Rasenflächen, fremdländische Gehölze und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müsse zugunsten von natürlicher Vielfalt verzichtet werden. In passender Umgebung kann dem Gartenrotschwanz auch mit speziellen Nistkästen geholfen werden.

[ #natur #freunde #umwelt ]

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