Donnerstag, 5. Januar 2017

[ #klimawandel ] Tagfalter Klima-Atlas: Zukunft der Schmetterlinge in Österreich

Der Tagfalter Klima-Atlas basiert auf der Arbeit von zahlreichen WissenschaftlerInnen aus ganz Europa. Aus Österreich war der Biologe Martin Wiemers von der Universität Wien mit vertreten. 

Mit über 200 Tagfalterarten gehört Österreich zu den artenreichsten Ländern Europas. Welche Auswirkungen sind durch die Klimaerwärmung zu erwarten? Auf diese Frage gibt Martin Wiemers folgende Antwort: "Oftmals wird angenommen, dass Tagfalter eine Sonne und Wärme liebende Gruppe sind, die von der Klimaerwärmung profitiert. Tatsächlich ist zu erwarten, dass mediterrane Arten wie der Segelfalter Iphiclides podalirius sich in Österreich weiter ausbreiten oder gar neu einwandern."

So kommt der auf der Balkanhalbinsel weit verbreitete Karstweißling Pieris mannii in Österreich derzeit nur in einer isolierten Population in wärmebegünstigter Lage am Fuße der der Hohen Wand vor. In der Schweiz hat sich diese Art dieses Jahr plötzlich vom Wallis in das Mittelland bis nach Deutschland ausgebreitet. Ähnliches könnte auch in Österreich passieren.

Heute weit verbreitete Arten wie der Kleine Fuchs Aglais urticae würden sich voraussichtlich aus dem Flachland zurückziehen und könnten in Österreich nur mehr in den Bergen überleben. Umso mehr gilt dies für Arten, die in Österreich an kühlfeuchte Klimate angepasst sind, wie der Lilagold-Feuerfalter Lycaena hippothoe. In Wien kommt diese Art aktuell nur noch auf einer einzigen Feuchtwiese vor, während sie in den Bergen weit verbreitet ist.

"Besonders kritisch aber wird es für Arten, die bereits heute auf das Bergland beschränkt sind, wie der Apollofalter", gibt Wiemers zu bedenken, und weiter: "Viele Arten kommen in Österreich nur in den Hochlagen der Alpen vor und diese haben keine Rückzugsmöglichkeiten bei einer Klimaerwärmung." Zu diesen Arten zählen der Alpen-Maivogel Euphydryas cynthia, der Helle Alpenbläuling Plebejus orbitulus sowie fast alle der in Österreich vorkommenden 27 Mohrenfalterarten. Beispiele sind der Kleine Mohrenfalter Erebia melampus oder der Weißpunktierte Mohrenfalter Erebia claudina, die einzige endemische Tagfalterart Österreichs, die nur im Lungau und sonst nirgends auf der Welt zu finden ist.

Der federführende Autor des Atlas, PD Dr. Josef Settele, Ökologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ in Leipzig, sagt: "Die meisten Tagfalterarten würden gezwungen, ihre Verbreitung radikal zu verändern, um mit den klimatischen Veränderungen mithalten zu können. Die Art und Weise, in der Tagfalter betroffen sind, gibt uns gute Anhaltspunkte darüber, wie auch viele andere Insekten reagieren dürften - und Insekten machen schließlich zwei Drittel aller Arten aus."

Climatic Risk Atlas of European Butterflies.Josef Settele, Otakar Kudrna, Alexander Harpke, Ingolf Kühn, Chris van Swaay, Rudi Verovnik, Martin Warren, Martin Wiemers, Jan Hanspach, Thomas Hickler, Elisabeth Kühn, Inge van Halder, Kars Veling, Albert Vliegenthart, Irma Wynhoff, Oliver Schweiger publiziert von Pensoft - einem Wissenschaftsverlag mit Sitz in Sofia, Bulgarien (als full-color paperback € 59,--) oder als kostenlosen Download


[ #natur #freunde #umwelt ]

1 Kommentar:

Karen Simon hat gesagt…

dieses Buch hier kann ich euch bestens empfehlen, wenn ihr gerne auch an Umweltschutz und Zukunft unseres Planeten interessiert seid!
es heisst: The world we made und beschreibt eine ZUkunftsversion, wie es sein könnte im Jahre 2050!
Ein inspirierendes Buch:
http://betterymagazine.com/conversations/interviewing-jonathon-porritt/
Liebe Grüsse,
Karen