Donnerstag, 19. Oktober 2017

[ #nutzpflanzen ] Kultur-Pflanzen

[Free eBook/PDF] Vor mindestens 10.000 Jahren begann der Mensch, Kulturpflanzenvielfalt zu entwickeln, indem er die Evolution der genutzten Pflanzen beeinflusste.

Die Evolution der Kulturpflanzen ist das Ergebnis des Zusammenspiels zweier Prozesse: Variabilität entsteht durch spontane, natürlich auftretende, sehr seltene Veränderungen im Erbgut von Pflanzen (Mutationen). Die natürliche Auslese schränkt die so entstandene Vielfalt wieder ein: Damit neue Spielformen dauerhaft erhalten bleiben, müssen sie sich unter den gegebenen Lebensbedingungen durchsetzen können – sonst sterben sie bald wieder ab oder können sich nicht ausreichend vermehren.

Mensch als Biodiversitätsmanager. Viele der Spielarten, die durch den Menschen im Ackerbau genutzt wurden, hätten in „freier Wildbahn“ womöglich gar nicht überleben können. Indem der Mensch eine neue Nische für normalerweise nicht überlebensfähigen Pflanzen schuf, sie gezielt anbaute, pflegte und vermehrte, hat er die Vielfalt der vorhandenen Formen beträchtlich erhöht. Für den Mensch waren oft gerade für Wildpflanzen ungünstige Veränderungen interessant, zum Beispiel Früchte ohne Bitterstoffe.

Broschüre Gemüse und Feldfrüchte.
Die vorliegende Broschüre Kultur-Pflanzen-Vielfalt der ARCHE NOAH (Verein zur Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Pflanzenzüchtung, Samenpflege und Nutzpflanzen-Erhaltung) konzentriert sich auf Gemüsearten und Feldfrüchte. Gerade hier ist die Dokumentation sehr dürftig, und es ist nur wenig Literatur vorhanden.

Im Gegensatz zum Obst blieb bei Gemüse und Feldfrüchten die Dokumentation und Forschung lange Zeit der Züchtung und Züchtungsforschung vorbehalten, die sich selbst erst ab Anfang des 20. Jh. entwickelte. Erschwerend für die Dokumentation und Beschreibung von Sorten wirkt sich bei Gemüsearten und Feldfrüchten ihre starke Veränderlichkeit aus. Samenvermehrte Kulturpflanzen müssen angebaut werden, bevor die Samen die Keimfähigkeit verlieren. Und die Vermehrung über Samen bietet immer eine Eingangspforte für genetische Veränderung.

Begriffe. Heute wird meist von „Biodiversität“ und „biologischer Vielfalt“ gesprochen – zwei Begriffe, die in den 1980er Jahren im Kontext von ökologischer Forschung und Ökologiebewegung geprägt wurden. „Biodiversität“ umfasst die Vielfalt in und zwischen allen wild und kultiviert vorkommenden Lebewesen, aber auch Ökosysteme.

Der Begriff „pflanzengenetische Ressourcen“ wurde zuvor in den 1960er Jahren in der Agrarforschung eingeführt.

Der Begriff „Agrobiodiversität“ beschreibt die biologische Vielfalt in Landwirtschaft und Gartenbau und umfasst von den Agrarökosystemen bis zu den Genen alle Ebenen der Diversität.

Der in dieser Broschüre verwendete Begriff „Kulturpflanzenvielfalt“ soll zum Ausdruck bringen, dass Diversität kein abstraktes Phänomen ist, sondern in konkreten kulturellen, wirtschaftlichen und geographischen Zusammenhängen und in der Wechselwirkung zwischen nutzendem Mensch und Pflanze entstanden ist und weiterhin entsteht.

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Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt sagt mehr:

Dank 6
Einleitung 7
Zum Begriff „Kulturpflanzenvielfalt” 7
Eingrenzung des Themas 7
Zum Wissensstand bei Acker- & Gartenkulturen & Obst 8
Kulturpflanzenvielfalt: Enstehung 9
Mannigfaltigkeits-Zentren 9
Vielfalt durch Menschenhand 9
Kulturpflanzen in neuen Gebieten - Impulse für neue Vielfalt 10
Kulturpflanzenvielfalt: Gefährdung 11
Historische Verlustprozesse: Verdrängung von Kulturarten 11
Regionalität, lokale Märkte & Subsistenzwirtschaft 11
Einfluss der Pflanzenzüchtung auf die Nutzpflanzendiversität 12
Kleine Geschichte der Kulturartenvielfalt in Mitteleuropa 14
Vor- und Frühgeschichte 14
Römerzeit 14
Mittelalter 15
Frühe Neuzeit 15
17. und 18. Jahrhundert 16
19. und 20. Jahrhundert 16
Zusammenfassung 17
Pflanzenzüchtung, Saatguthandel & Sortenrecht 18
Gärtnerische Pflanzenzüchtung 18
Landwirtschaftliche Pflanzenzüchtung 18
Anfänge der Pflanzenzüchtung in Österreich 19
Schutz für Käufer und Züchter 21
Reichssortenliste und „Sortenbereinigung“ 22
Österreichische Pflanzenzüchtung nach 1945 23
Das österreichische Saatgutgesetz 23
Konzentrationsprozesse am Saatgutmarkt 24
Sortenschutz: Gut für die Züchtung, schlecht für die Biodiversität? 25
Zahlen, Daten & Fakten zum Verlust von Kulturpflanzenvielfalt 28
Zahlen und Fallbeispiele weltweit 29
Fallbeispiel EU-Sortenkataloge – Vielfalt verschwindet durch Bürokratie? 30
Feldstudien in Albanien und Süd-Italien 30
Fallbeispiele für den Verlust von Kulturpflanzen in Österreich 32
Verlust von Kulturarten 32
Safran (Crócus sativus) 32
Himmeltau (Bluthirse, Panicum sanguinale) 32
Buchweizen (Fagopyrum esculentum) 32
Färbe- und Faserpflanzen 33
Getreidelandsorten in den Alpen und Voralpen 34
Was sind Landsorten? 34
Erforschung & Dokumentation der Getreidelandsorten 34
Ausbreitung 34
Verlust und Verdrängung der Getreidelandsorten 35
Weizen 36
Gerste 36
Hafer 37
Roggen 38
Das Alter der Getreidelandsorten 39
Genetische Diversität der Getreidelandsorten 40
Getreidelandsorten in der Züchtung 41
Menggetreide 41
Das Ende der Getreidelandsorten – Gedanken von Rudolf Schachl 42
Gartenbohnen-Landsorten in der Steiermark 43
Auswertung der österreichischen Sortenlisten 1949-2002 44
Beispiele: Gemüsesorten 47
Der Salat „Neusiedler Gelber Winter“ 47
Der Salat „Grazer Krauthäuptel“ 47
Die Radieschen „Wiener Rotes Treib“, „Riesen von Aspern“ & „Ladenbeet“ 47
Die Znaimer Gurke 48
Das „Premstättner“ Kraut 49
Das „Seibersdorfer“ Weißkraut 50
Abkommen und Strategien zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt 52
Literaturverzeichnis 55

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